Fachtagung
JGH Dachau und Evang. Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau
Anmeldung möglich
14. - 15.05.2010
11. Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte
Die Kirchen und die Verbrechen im nationalsozialistischen Staat
Das Verhalten der Kirchen zu den Verbrechen im nationalsozialistischen Staat findet öf-fentliche Aufmerksamkeit bis heute meist nur in Ausschnitten. So wird der katholischen und ev¬an¬ge¬li¬schen Kirche gleichermaßen regelmäßig die kritische Frage nach der Reaktion ihrer Ent¬schei¬dungs¬träger - Papst und deutsche Bischöfe bzw. Kirchenleitungen - zu einzelnen Ver-bre¬chens¬komplexen gestellt. Diese Form des investigierenden Fragens hat sich in der Ver¬gan-genheit als hilfreich für die kirchliche Zeitgeschichtsforschung erwiesen. Gleich¬zeitig gilt aber, dass die segmentierende Frageperspektive, wenn sie ohne die kon¬tex¬tu¬ellen Bedingungen kirch¬lichen Handelns auszukommen glaubt, zu Reduktionen führt, die oftmals ver¬ein¬fa-chende, bisweilen auch verzerrte Urteile nach sich ziehen.
Das 11. Dachauer Symposium will dieser Gefahr auf zweierlei Weise begegnen: Es lenkt den Blick in vergleichender Perspektive sowohl auf die katholische wie auch evangelische Kirche. Mit systematisierendem Interesse wendet es sich zudem grundlegend dem zeit¬ge¬nössischen kirchenrechtlichen und ethischen Handlungshorizont der Kirchen zu, bestimmt das komplexe kirchliche Beziehungsgefüge zu verbrecherischen Maßnahmen des NS-Staats – „Zwangs¬ste-rilisation“ und „Euthanasie“, „Zwangsarbeit“ sowie „Judenverfolgung“ – und fragt schlie߬lich nach den Nachwirkungen und den Aspekten der „Schuldfrage“ nach 1945. Es geht dabei darum, die Ambivalenzen, Resistenzen und Verstrickungen in der Haltung der Kirchen gegenüber den Verbrechen des NS-Staates sowie die konkreten Handlungsspielräume der Kir¬chen auszuloten, die ja ihrerseits im Fokus des Unrechtsstaates standen und sich selbst – zu¬min¬dest in Teilen - als Zielobjekte eines nationalsozialistischen „Kultur“- bzw. „Kirchen-kamp¬fes“ sahen.
Mit dieser Konzeption versucht das Symposium nicht nur einen Beitrag zur differenzierten Erforschung eines schwierigen Themas zu leisten, sondern aus Anlass des Zweiten Öku¬me-nischen Kirchentages auch eine Basis für den interkonfessionellen Dialog über den Umgang mit der Vergangenheit der beiden großen christlichen Kirchengemeinschaften bereit¬zustellen.
Hierzu laden wir Sie herzlich ein.
Prof. Dr. Thomas Brechenmacher, Universität Potsdam
Peter Bürgel, Oberbürgermeister der Stadt Dachau
Prof. Dr. Harry Oelke, Ludwig-Maximilians-Universität München
Nina Ritz, Päd. Leiterin Jugendgästehaus Dachau
Dr. Bernhard Schoßig, Projektleiter
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